Die totale Sonnenfinsternis in Süddeutschland am 11. August 1999

Eine totale Sonnenfinsterns ist wohl das spektakulärste Himmelsschauspiel, das jemand in seinem Leben erfahren kann. Es hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, an den man sich ein Leben lang erinnert.
Da für einen bestimmten Ort auf der Erde nur alle paar hundert Jahre eine totale Sonnenfinsternis stattfindet unternehmen zahlreiche Astronomen, Sternfreunde und naturkundlich interessierte Touristen oft Reisen um den halben Erdball, um wenigstens einmal in Ihrem Leben das Phänomen einer total verfinsterten Sonne mit dem Strahlenkranz der Korona samt den Begleiterscheinungen in der unmittelbaren Umgebung zu erleben.

Für die letzte totale Sonnenfinsternis im zwanzigsten Jahrhundert hatte die Natur
endlich wieder einen Schauplatz vor unserer Haustür ausgewählt.

Nach 112 Jahren fand am 11.August auch über Deutschland wieder eine totale Sonnenfinsternis statt. Und wir hatten das Glück in der Totalitätszone zu liegen.
Da sich bis zum 3.September 2081 keine weitere Sonnenfinsternis bei uns abspielt, ist dies wohl die einzige die wir erleben konnten.

Leider spielte das Wetter nicht optimal mit. Der Himmel war bis zum 1. Kontakt um 11:13 durch Wolken bedeckt und ich konnte folgende Finsternisphasen, nur durch zeitweise auftretende Wolkenlücken, aufnehmen.



Die Sonne mit ihren Flecken während der Bedeckung durch den Mond




phase1a


Phase 2:   Einige Minuten später
phase1



Phase 1:   Vor Bedeckung eines Sonnenflecks






phase04


Letzte Phase
vor dem 2. Kontakt
phase03


Phase 4:
  leicht bewölkt
phase02


Phase 3:
  Sonnenflecken sind bedeckt


Nach diesen Aufnahmen machten die Wolken dicht, doch welch ein Wunder, kurz vor der Totalität riss die Wolkendecke auf, um die Sicht auf das große Ereignis der
"Schwarzen Sonne" freizugeben.

Einige Minuten vor dem 2. und einige Minuten nach dem 3. Kontakt, wenn nur eine schmale Sonnensichel zu sehen ist, tritt das Phänomen der fliegenden Schatten auf.
Gut sind diese auf weissen Flächen zu beobachten. Persönlich habe ich sie im Eifer des Gefechts nicht wahrgenommen. Ihre Geschwindigkeit beträgt einige Meter pro Sekunde. Mit schmäler werdender Sonnensichel werden die Schatten länger, kontrastreicher und schneller.

In den letzten Sekunden vor und nach der Totalität trat das
Perlenschnur Phänomen auf:
Die dünne Sonnensichel zerfällt in einzelne helle Lichtpunkte. Sie sehen aus wie die glitzernden Perlen einer Schnurkette. Gebirge und Tiefebenen auf dem Erdtrabanten bewirken einen unregelmäßig gewellten Mondrand. Während die Mondgebirge bereits die Sonne abdecken, leuchtet die Photosphäre noch durch die Mondtäler.

Kurz darauf leuchtete nur noch ein Lichtpunkt am Mondrand auf. Man spricht vom


Diamantring Phänomen

diamantring
Einen Augenblick später ist die Totalität eingetreten. Kurz vorher konnte der aufmerk-
same Beobachter in westlicher Richtung das
Heranrasen des Mondschattens sehen.
Ein etwas unheimliches Schauspiel.



Wer erstmals, das sind die meisten von uns, die total verfinsterte Sonne erlebt,
ist in der Regel, von diesem grandiosen Himmelsschauspiel, überwältigt.
Mir selbst ging es nicht anders. Ich vergaß vor lauter Begeisterung den Auslöser
der Kamera zu bedienen, um die geplante Bilderserie fortzusetzen und konnte somit
nur die hier gezeigten Photos schiessen.


Um die schwarze Neumondscheibe leuchtete jetzt der


Strahlenkranz der Sonnenkorona corona02

und man konnte nun unbesorgt die total verfinsterte Sonne ohne Filter ansehen.

Man erkannte hellrote Flammenzungen am, durch den Mond verdeckten, Sonnenrand.
Es sind die sogenannten
Protuberanzen das sind heiße Gasmassen, die von der Sonnenoberfläche zigtausende Kilometer hochgeschleudert werden.
corona04
Zum Vergleich: Die sich ablösende T-förmige Explosion am rechten Sonnenrand
schiesst über 100 000 km in den Weltraum


Während der Totalität leuchteten, soweit sie nicht durch Wolken bedeckt waren, die hellsten Sterne und Planeten auf.

Nach dem 3. Kontakt trat nochmals das westliche "Diamantring-Phänomen" auf und genau so plötzlich, wie sie vor der Totalität aufriß, schloss sich die Wolkendecke wieder.

Mit meiner Ausbeute bin ich jedoch zufrieden, wenn man bedenkt, dass man an vielen Orten durch schlechte Wetterbedingen so gut wie nichts beobachten konnte.

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